Neue Energieaudit-Pflicht

Erstmals werden Energieaudits für große Unternehmen zur Pflicht. Die Durchführung eines Energieaudits muss bei Unternehmen, die nicht unter die „KMU-Definition“ der Europäischen Union fallen, bis zum 05.12.2015 erfolgen. Betroffen sind schätzungsweise 50.000 Unternehmen in Deutschland. Aufgrund mangelnder Beraterkapazitäten wird ein Ermessensspielraum bis Ende April 2016 gewährt.

Rechtlicher Hintergrund

Die europäische Energieeffizienzrichtlinie RL 2012/27/EU schreibt allen Unternehmen, die nicht unter die EU-Definition der „Kleinen und Mittelständischen Unternehmen“ (sogenannten KMU) fallen, verbindliche Energieaudits vor. Die Umsetzung dieser Richtlinie in das nationale Gesetz in Deutschland ist mit der Novellierung des Energiedienstleistungsgesetzes (E-DLG), das am 22.04.2015 in Kraft getreten ist, erfolgt.

Mit der Novellierung des E-DLG  wurden alle NICHT-KMU verpflichtet, bis zum 5.12.2015 ein Energieaudit nach DIN EN 16247 mit bestimmten Zusatzanforderungen durchzuführen. Aufgrund zu knapper Beraterkapazitäten wird der Zeitraum für die Durchführung der Energieaudits bis Ende April 2016 durch das BMWi verlängert. Dieses Ermessensspielraum wird in einem Schreiben vom DIHK (850290) bestätigt.

Die Missachtung der Energieaudit-Pflicht wird als Ordnungswidrigkeit betrachtet, für die ein Bußgeld verhängt werden kann. Nur wer dem BAFA glaubhaft darlegen kann, dass er aufgrund der knappen Beraterkapazitäten kein Energieaudit durchführen konnte, kann dies i.d.R. noch bis Ende April nachholen, ohne mit einem Bußgeld sanktioniert zu werden.

 

EU-Definition der KMU („Kleinen und Mittelständischen Unternehmen“)

Die Pflicht zur Durchführung eines Energieaudits betrifft alle NICHT-KMU. Anders gesagt sind Kleinstunternehmen und KMU von den neuen EDL-G-Vorgaben zur nachweisbaren Auditierung ausgenommen. Auch wenn Unternehmen auf den ersten Blick klar unter die KMU-Definition fallen, ist eine eingehende Prüfung angeraten. Denn bestehende Beteiligungen an und von anderen Unternehmen könnten dazu führen, dass die Schwellenwerte überschritten werden und die Pflicht zum Energieaudit greift.

Nach der EU-Definition der KMU sind Unternehmen, die folgenden Kriterien erfüllen, zum Energieaudit verpflichtet:

  • Mindestens 250 Mitarbeiter

  • Mindestens 43 Mio. Euro Bilanzsumme oder
    mindestens 50 Mio. Euro Jahresumsatz

  • Unternehmen mit öffentlicher Beteiligung über 25 %

  • Unternehmen, die mit über 25% in Konzernen verflochten sind (genaue Berechnung der Beteiligungsverhältnisse notwendig)

Die Beteiligungsstrukturen müssen genau analysiert werden! Handelt es sich um ein eigenständiges Unternehmen? Wie viele Partnerunternehmen sind am Unternehmen beteiligt bzw. an wieviel Partnerunternehmen ist das Unternehmen beteiligt? Liegen Beteiligungen im Sinne von Verbundunternehmen vor? Wie viele Mitarbeiter-Jahresarbeitseinheiten und welcher Umsatz sind letztendlich zu berücksichtigen und für die KMU-Prüfung heranzuziehen?

Die Einstufung als KMU sollte auf Basis der Empfehlung 2003/361/EG der Kommission (veröffentlicht im Amtsblatt der Europäischen Union L 124 vom 20.5.2003, S. 36.) vorgenommen werden.

Sonderregelungen

  • Unternehmen, die anstelle des Energieaudits nach DIN EN 16247-1 ein umfassendes „Energiemanagementsystem" (ISO 50001) oder "Umweltmanagementsystem" (EMAS III) einführen möchten, erhalten eine längere Frist für die Einführung. Mit der Einführung musste allerdings im Laufe des Jahres 2015 begonnen werden. Bis zur vollständigen Umsetzung der Systeme wird eine Frist bis zum 31.12.2016 gewährt.
  • Für Unternehmen mit vielen Abnahmestellen kommt das sogenannte Multi-Site-Verfahren zur Clusterung von Standorten mit vergleichbaren Verbrauchsprofilen zur Anwendung. Für jede Gesellschaft muss aber nur ein Audit-Bericht angefertigt werden, in dem die Ergebnisse der Außeneinsätze und Berechnungen dazu integriert sind.
  • NICHT-KMU, die vom Spitzenausgleich für das Jahr 2015 profitieren wollen, mussten die ISO 50001 bis zum 31.12.2015 vollständig zertifiziert haben. Die ISO 50001 macht dann ein Energieaudit überflüssig.
  • KMU können auf freiwilliger Basis mit Förderung durch das BAFA (Förderquote 80%; entspricht maximal 8 Leistungstage à 1.000 Euro netto pro Tag) ein solches Energieaudit durchführen.
  • KMU, die keinen Anspruch auf Spitzenausgleich oder die EEG BesAR haben, können Energieaudits nach DIN EN 16247 freiwillig mit Förderung durch BAFA durchführen. Und zwar bis zu 8.000 Euro; entsprechend 80% von 10 Honorarleistungstagen à 1.000 Euro pro Tag.

Energieaudit

Ein Energieaudit ist im Vergleich zu einem Energiemanagementsystem (EnMS) weniger umfassend und deshalb mit geringerem Aufwand umsetzbar. Beim Energieaudit werden Energiedaten strukturiert erfasst und analysiert. Ziel ist es, effizienzsteigernde oder verbrauchsreduzierende Potenziale zu identifizieren. Mit der DIN EN 16247-1 wird der Ist-Zustand der Energieverbräuche bewertet. Sie verschafft einen Überblick über die bestehenden Energieflüsse des Unternehmens. Dadurch werden die wesentlichen Verbraucher bzw. Verbrauchergruppen identifiziert und mögliche Einsparpotenziale aufgezeigt. Der Abschlussbericht zum Energieaudit enthält konkrete Empfehlungen mit Plänen zur Umsetzung einschließlich einer Abschätzung der voraussichtlichen Einsparung.

Unsere Unterstützung

Wir unterstützen Sie schnell und kompetent bei der Durchführung von Energieaudits. Wir informieren Sie ausführlich über das neue EDL-G und helfen Ihnen, alle Fragen zum Energieaudit kompetent und präzise zu beantworten, damit Sie die richtigen Entscheidungen für Ihr Unternehmen treffen können. Nur eine ganzheitliche Betrachtung kann den richtigen Weg für jedes Unternehmen weisen.

Wir begleiten Sie auch bei der Einführung von Energiemanagementsystemen (auch alternativen gemäß Spitzenausgleichseffizienz-Systemverordnung SpaEfV). Ihre nachhaltige Energiebewirtschaftung sowie eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit sind unser Metier.